Fair Story

Vorwort

Während der Bronzezeit änderten sich in weiten Teilen Europas die Bestattungssitten radikal. Anstatt die Toten wie bisher in flachen Gräbern beizusetzen, schüttete man nun vermehrt ein bis zwei Meter hohe Hügel auf. Diese Bestattungsform wurde noch bis ins Mittelalter praktiziert, bevor sie so wieder verschwand, wie sie angefangen hatte. Die Ursachen hierfür sind nicht bekannt. Über Hügelgräber existiert gemeinhin ein falsches Bild. Vielerseits assoziiert man mit Hügelgräbern mit einem Bestattungsort für einen angesehenen männlichen Krieger oder Anführer, jedoch war es sehr üblich, dass noch weitere Verstorbene mit beigesetzt wurden. Eine der größten Hügelgräber in Deutschland ist jenes bei Wixhausen, in dem man die Überreste von neun Erwachsenen und sieben Kinder fand. Die Hügelgräber-Leute sind meistens nicht sehr alt geworden, so überschritt nur einer der Erwachsenen das 40. Lebensjahr. Warum so viele Personen, noch dazu in jungen Jahren, gleichzeitig verstorben sind und in diesem Hügelgrab beigesetzt wurden, ist unbekannt. Die Wissenschaft ist hier an ihre Grenzen gelangt.

Bau für die Zukunft

Der Mercedes fuhr fast lautlos die Messeler-Park-Straße entlang, zumindest waren im Inneren keine Fahrgeräusche zu hören. Peter Immel, der Projektleiter von FAIR, bog auf den Schotterplatz vor dem Containerdorf ab und parkte sein Auto. Müde stieg er aus seinem Auto. Die Woche hatte gar nicht gut angefangen. Das FAIR-Projekt war ein Großprojekt - eine neue internationale Beschleunigeranlage, 4-mal so groß wie der bestehende Beschleunigerring. Gedacht, um die Forschung einen Schritt weiter zu bringen, zu den Energien hin, mit denen man unter ein Quark-Gluon-Plasma erzeugen kann. Zumindest war dies eine der Ziele, an die Peter Immel sich erinnern konnte. Mit Physik konnte er nicht viel anfangen, und das Einzige, was er von dem Vortrag über FAIR behalten hatte, war die Information, das ein Quark-Gluon-Plasma ein exotischer Zustand war, der benötigt wurde, um Beweise für das gängige Theoretische Physikmodell finden zu können - inklusive der Antwort auf die Frage, warum es weniger Antimaterie als Materie gab. Aber diese waren Probleme der Physik und nicht seine eigenen. Die bereiteten ihm genügend Kopfzerbrechen. Insbesondere die Schlampereien in der Planung.

So hatte einer der Planer vergessen, die Information, dass von der Heag-Media eine 10kV-Starkstromleitung quer über das Gelände führte, mit in die Planung aufzunehmen. Der Baggerfahrer hatte das Kabel gefunden und war geröstet worden. Die Schlagzeilen in der Presse, hatten jede Menge Staub aufgewirbelt und findige Journalisten hatten gleich noch das ein und andere an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Die fehlenden Brandschutzmaßnahmen hatten gleich Vergleiche mit dem Berliner Flughafen hervorgebracht und Peter Immel hatte sich auf der Pressekonferenz einigen unangenehmen Fragen stellen müssen. Ob denn schon Mehdorn im Gespräch wäre? Wütend schlug Peter Immel die Tür von seinem Wagen zu. FAIR würde lange vor dem Berliner Flughafen fertig werden. Das Versenken der über 1200 Betonsäulen, die bis zu 60m tief in den Boden reichten und das Gewicht der Gebäude tragen würde, war Monate vor dem Planungstermin fertig geworden und hatte Zeit und Geld gespart. Die fehlende Brandschutzmaßnahmen waren sehr ärgerlich, hatten aber nur Teilbereiche betroffen. Gut, der Bau dieser Bereiche würde sich verzögern, weil man wieder in die Planungsphase 4 zurückgeworfen wurde; doch das konnte man kompensieren, in dem man den Bau für den Tunnel vorzog. Vorausgesetzt, es lag keine 10kV-Leitung im Weg. Eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung war beim Staatsanwalt schon eingereicht. Ärgerlich, aber seine Anwälte würden das regeln. Heute wurden die Arbeiten endlich wieder aufgenommen. Das Röhren der Bagger füllte die Lichtung. Peters Blick fiel auf de Besucherplattform des Containerdorfes. Ein Aussichtsturm verschaffte Besuchern einen Rundumblick auf das Baugelände. Aber was für die Recht war, war für ihn nur billig. Eine Außentreppe führte zur Besucherplattform hoch. Er zählte die Stufen beim Hochgehen, das war ein Tick von ihm. Seien es die 48 Stufen im Cinemax-Kino oder die 66 Stufen hinunter zur U-Bahn Station im Frankfurter Südbahnhof.. Für viele uninteressant, aber für ihn nicht. ...einunddreißig ... zweiunddreißig ... dreiunddreißig - er war oben! Südlich vor ihm lag das große, offene Gelände, wo sich der Campus erstrecken würde. Der Beschleunigertunnel selbst führte hier am Containerdorf weiter nach Norden, machte einen Kreisbogen und schloss sich hier wieder. Leider konnte den nicht von hier einsehen, weil man die Bäume im Kreisinneren hatte stehen lassen. Eine PR-Aktion, um die Umweltschützer zu beschwichtigen. Von hier aus, konnte man gerade ein Viertel des Kreises überblicken. Aber unabhängig davon, sollte auf jedem Segment Aktivität herrschen, die Erde musste weg. Was nicht sein sollte, war das, was sein Auge erblickte: Einen stillstehenden Bagger und Dutzende Leute, die herumstanden und eifrig diskutierten. Mit einem unguten Gefühl jagte Peter Immel die Treppenstufen hinunter und lief in Richtung des Aufruhrs. Atemlos erreichte er die Stelle. Die Erdbewegungen hatten schon einen 50m langen Graben erschaffen. Am vorderen Ende stand der Bagger - der Motor lief nicht mehr und ein gutes Dutzend Männer hatten sich vor ihm versammelt. Peter Immel drängte sich durch und sah zuerst nichts. Doch auf den zweiten Blick bemerkte er die Knochen. Der skelettene Teil eines menschlichen Unterarm mit Hand ragte aus dem Sand hervor.

"Uralt", bemerkte einer der Bauarbeiter. "Liegt wohl schon mehrere Hundert Jahre hier in der Erde."

"Hier in der Gegend gibt es mehrere Hügelgräber", erwiderte ein anderer. "Vielleicht sind wir auf eines gestoßen."

Ach du Schande, dachte Peter, sollte es sich hier um ein archäologisches Grab handeln, war ein mehrmonatiger Baustopp garantiert. Das könnte ein Fiasko sein -- ChristianWolbert - 23 Jul 2014
Topic revision: r4 - 2014-07-24, ChristianWolbert
 
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